Vom Laichen und Sterben…

Es ist etwas passiert.

Gestern war ich einen Geburtstag feiern. Es war schön. Heute mittag hatte ich mich mit einem Freund verabredet, gemeinsam zu Mittag zu essen. Auch schön. Als ich danach in die Uni fahren wollte, war der U-Bahnhof zugeparkt: Feuerwehr, Polizei und Krankenwagen.

Während ich in den Bahnhof gehe, werde ich von Feuerwehrmännern überholt, die eine Bahre tragen. Das kann eigentlich nur eines bedeuten: Unten im Bahnhof hat soeben ein Mensch aufgehört zu existieren (sonst wird die Bahre von Notärzten getragen).

Und plötzlich nimmt der Tag eine andere Wendung. Eigentlich war es ein guter Tag. Und ich weiss nicht, ob der Mensch, wie ein Mann sagte, vor den Zug gesprungen ist. Oder ob es ein Unfall war. Oder ob sich Fußballfans in die Haare bekommen hatten. Es ist mein dritter „Notarzteinsatz“, bei dem der Notarzt nur noch zur Feststellung des Todes da sein kann.

Ich denke nach. Darüber, wie seltsame Geschichten das Leben schreibt. Dass es jeden Moment vorbei sein kann. Ich denke an die Geburtstagsparty. Ein Gast studiert Mathematik. Er hat eine Vorlesung zu „Versicherungsmathematik“ besucht, dort lernt der Mathematiker, Sterblichkeitswahrscheinlichkeiten.

Die Wahrscheinlichkeit, vor dem 30. Geburtstag zu sterben, beträgt etwa 10%, sagt er. Ich frage mich: Lebe ich eigentlich so, wie ich das wollte? Bin ich meinem Versprechen an mich selbst noch treu, so viel zu ERleben, wie es geht?

Und: Wie teuer ist das „r“, das aus leben ein „R“leben macht? Sind die Kosten immer den Spass wert?

Ich entscheide mich. Jetzt zu lernen. Und in Zukunft bei Einfahrt einer U-Bahn einen halben Schritt weiter von der Bahnsteigkante zurückzutreten.

"Das Leben ist hart, doch das nehm' ich in kauf/
Zum Laichen und sterben zieh'n die Lachse den Fluss hinauf" ;)

PS: In Gedanken hoffe ich, dass nicht allzu viele Menschen von dieser Tragödie irgendwelche Schäden davon tragen. Besonders der Zugführer tut mir bei solchen Geschichten immer Leid.

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2 Gedanken zu “Vom Laichen und Sterben…

    1. Stand jetzt ein klares Jein. An sich bin ich schon zufrieden, aber bei der Masterbewerbung war ich etwas zu blauäugig. Habe mir vorgenommen, im April mal einen Klausurtagung zu machen. So ohne Technik, niemand sonst, nur Ziele, Ist/Soll und so abgleichen. Ist mir mal warm empfohlen worden.

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