Die Krux mit Menschen.

Die Heimfahrt verlief in etwa so wie meistens, wenn ich morgens zu nachtschlafener Zeit früh (also um halb elf) einen Zug erwischen möchte.  Aufstehen, nochmal die eigenen vier Wände checken, Zeugs in den Koffer werfen. Dann in die Ubahn hüpfen, am Bahnhof raus, zum Gleis und Gleichgesinnte fürs Gemeinschaftsticket suchen. Irgendwann waren wir zu fünft und wackeln gemütlich durch den Zug, suchen uns ein eigenes Abteil.

Wie das so ist auf Zugfahrten: Sitzen fünf Personen im Abteil. Die einzige Person, die du kennst bist du selbst (und bei mir bin ich mir nicht sicher)…

Wie das so ist, kommst du irgendwie über irgendwas ins Gespräch. Ich fange meistens mit dem Reiseziel (darüber hat man ja ganz am Anfang schon geredet, wenns ums Ticket geht) an, gut sind auch Bücher oder Magazine – wenn mir der Autor/das Thema etwas sagt. In dem Fall war es eine Abschlussarbeit.

Wie das so ist, entwickelt sich daraus ein Gespräch. Und ich stelle fest: Da neben mir sitzt eine Dame, die studiert etwas ähnliches, kennt sich aber in ganz anderen Themen gut aus als ich. Hat auch schon bei coolen Unternehmen gearbeitet. Hat einen guten Musikgeschmack. Usw usf. Worauf ich hinauswill: Wir kommen miteinander klar. Gibt ja auch Menschen, da endet ein Gespräch nach drei Sätzen.

So, ich hatte dann irgendwann im Gespräch weit über einer Stunde verbracht, dann kam ihr Halt – kurz vorher noch Facebook ausgetauscht. Jetzt habe ich auf Facebook also einen weiteren Kontakt, den ich exakt ein Mal – auf einer Fahrt – kennengelernt habe. Und jetzt?

Nach jedem neuen Kontakt, jeder neuen interessanten Person, die ich so kennenlernen darf, danke ich: „Eigentlich würde ich sie/ihn auch gerne mal wieder treffen. Neue Dinge erfahren, austauschen, lernen.“

Wer nur Lesen mag, kann jetzt eigentlich aufhören – jetzt kommt ein interaktiver Teil 😉Ich frage mich, wie bekomme ich das hin? Ohne dass ich eine gute Antwort hätte. Dabei sind wohl zwei Dinge hauptentscheidend:

  1. Wie kann ich Kontakte/Freunde/Menschen so organisieren, dass ich bei Ideen, was ich unternehmen könnte, auch mal Leute als interessiert identifizieren kann, die nicht zu meinen engen Freunden gehören?
  2. Wie hält man so einen Kontakt denn eigentlich warm? Wie kann man das Potential, das einer Bekanntschaft innewohnt, nutzen?

Habt ihr da Ideen oder Strategien? Oder geht ihr Zufallsbekanntschaften eher aus dem Weg? Würden wir uns im Zug kennenlernen: Wie dürfte ich euch ein „Hallo“ schreiben, damit ihr mal was mit mir unternehmen würdet? (Vorausgesetzt, wir haben uns im Zug halbwegs verstanden 😉 )
Oder ist mein Wunsch, so neue Leute kennenzulernen (also im Grunde durch gemeinsame Langeweile, man hat ja nichts im Zug zu tun) doof? Und überhaupt, Leuten, die man nicht kennt, die eigene Handynummer/Facebook zu geben falsch?

Ja, es ist doch eine Krux, mit diesem komischen „Socializing“…

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11 Gedanken zu “Die Krux mit Menschen.

  1. Oi, machst Du Dir Gedanken!

    Zu 1.) Na ja, über`s Internet würde ich sagen! Du hast ja hier Deine eigene Spielwiese, äh, Dein eigenes Blog, da fängt`s ja schon an: Bloggertreffen etc. Und weiter gibt es doch schon für viele größere Städte Seiten im www, auf denen man nach Gleichgesinnten such kann. Von FB mal abgesehen. Where`s the problem?
    Oder aber, Du quatscht Leute an, die ein Event besuchen, das ihr Interesse deutlich mich, wie bei einem Konzert etwa. Für mich wäre all das ja nichts, aber Du scheinst ja keine Probleme zu haben, fremde Leute anzusprechen, oder? 🙂

    Zu 2.) Bekanntschaften sind wie Bücher/Filme: Mach es in den ersten 48 Stunden oder Du wirst es mit einer Wahrscheilichkeit von 90% NIE machen/lesen/gucken. Das ist zumindest meine Lebenserfahrung und da ich allwissend bin … 😉
    Ich denke, Du fährst ganz zwanglos und unverkrampft am besten. Nichts ist schlimmer, also so eine konstruierte Anfrage, die dann auch noch auf Teufel-komm-raus witzig und geistreich sein soll!
    Ich würde mich über ein ganz simples: „Hey! Weißt Du noch? Haben und dann und dann im Zug getroffen und toll unterhalten. Ich fand Dich echt total symphatisch und würde gerne mal was mit Dir unternehmen. Hast Du Lust?“ oder so freuen. 🙂

    Ad Handynummer und Facebook) Na, sobald Du Deinen Namen genannt hast, bekommt man heutzutage eh das meiste über einen raus. Insofern alles easy, warum nicht?

    Ad „so“ neue Leute kennenlernen) Warum sollte der Wunsch doof sein? Finde ich prima! Läuft schon viel zu viel über`s Internet. Back to the Dingsda, gelle? 😉 Für einen Sozialkrüppel wie mich ist das ja ein Segen hier, aber die Menschheit hat auch vor FB&Co überlebt und Freundschaften geschlossen. Ist doch alles feini! Ich frage mich nur wie gehabt, warum Du Dir da so einen Kopf drum machst …

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    1. Du meinst, ungefähr so?: http://cdn.meme.am/instances/500x/61666826.jpg
      Warum ich mir einen Kopf mache? Mich über Themen zu unterhalten, mit Menschen diskutieren? Kein Thema. Aber so dieses Beziehungsdings durchblicke ich eben nicht ganz (finde ich zumindest).

      1) Die Möglichkeit habe ich bisher halt gar nicht genutzt. Also Leute übers Internet kennen zu lernen. Bin da eher „oldschool“ im normalen Leben unterwegs. Es hängt aber sehr von meiner Tagesform ab, wie gut ich es schaffe, auch auf fremde Menschen zuzugehen. Aber ich bemühe mich auch, das immer mal zu forcieren.

      2) Den ersten Tipp könnte ich mir glaube ich auch direkt rahmen 🙂 Aber was Facebook/Handy angeht: Ich kann ganz gut googeln denke ich. Aber selbst wenn ich eine Zugbekanntschaft in fb finden würde – ich würde keine Anfrage rausschicken…das fühlt sich dann komisch an…

      Back to the future? Ja, auf jeden Fall! (Ich sollte mir die mal wieder anschauen 🙂 )

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  2. Hier bin ich, mal wieder mit wenig Zeit, aber kurzer Nachricht: speziell die Dame aus dem Zug: ich werde gern kurz und unverkrampft angeschrieben. ZB.: Hey, na noch gut dort angekommen? Oder: Wurdest du noch pünktlich abgeholt? War echt eine angenehme Zugfahrt mit dir und wenn ich nicht in den nächsten drei Monaten im Ausland waere, haetten wir ja mal…. machen können. Aber evtl. klappts ja später mal?!
    Na und wenn sie antwortet, dran bleiben 😉 so wie es eben passt. ..

    Also ich finde dich sympathisch und würde mich mit dir treffen. Ich verstehe, dass du dir Gedanken machst, aber zu sehr brauchst du nicht grübeln. Klappt schon ;)!

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    1. Danke für die Blumen *verbeugt sich elegant und überreicht einen Strauß Gänseblümchen*
      Dabei hast du mich ja noch gar nicht in persona kennengelernt. Ist ja doch noch mal eine ganz andere Situation. Wer weiß, vielleicht würde ich dir im Zug ein Ohr abquatschen? Oder ich passe halt optisch nicht so…
      Deinen Rat sollte ich beim nächsten Mal einfach so umsetzen. Und dann mal schauen, was passiert 🙂
      Ich hätte vielleicht noch die Frage einfließen lassen sollen, ob jemand schon mal eine nur aus dem WWW bekannte Person getroffen hat. Und wie das so ist. (Wobei es zugegeben nicht ganz zur Situation passt).

      Gefällt 1 Person

    2. Ja, ich habe das schon einmal getan. Daraus entstand einen einjährige Beziehung…. 😉 Schreib´du mir doch mal eine Email falls du an Tipps interessiert bist ?! :-p Ansonsten wünsche ich dir einen guten Flug!

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  3. Demnach liegt ihre Stadt auf dem Weg zu dir? Macht sie den Weg öfters oder war das eine einmalige Sache?
    Wenn Sie das öfters macht, schreibe ihr und frage sie, ob Interesse besteht weitere Male mit dir zu reisen. Dann hat sie einen Anreiz. Sie spart am Ticket. Und zusätzlich einen Reisepartner.
    Hoffe es funktioniert auf dem einen oder anderen Weg.

    Gefällt 2 Personen

    1. Der Normalfall ist, dass die Menschen, mit denen ich fahre, an anderen Haltestellen aussteigen. (Wenn sie mit mir aussteigen, kenne ich die meisten witzigerweise aus der Schule tatsächlich auch so). Und in die Gegenrichtung ist es schwieriger, sich für das gemeinsame Ticket zu verabreden, passiert sehr selten. Eigentlich nur über enge Freundschaften.
      Sonst würde deine Strategie sicher auch gut funktionieren, da kämen dann ja nochmal paar Minuten Zug dazu – und am Hauptbahnhof/Ziel könnte man direkt einen Kaffee trinken gehen.

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