Hindernisse sprachlicher Natur…

…wer hier schon länger mitliest, weiss: Sprache ist mir wichtig. Mich halbwegs eloquent ausdrücken zu können, darauf lege ich schon wert. Schon aus Respekt der werten Leserschaft gegenüber.

Passend also zu den Kommentaren, die ich mit Molly letztens austauschte (man vergleiche hier und hier), passierte folgendes:

Als Praktikant bin ich – Achtung, Klischee! – auch dafür zuständig, Kaffee zu holen. Das ist an sich kein grosser Akt. Jedoch haben wir keinen Kaffeeautomat, nur eine Kantine. Und in der arbeiten Chinesen, die kein Wort Englisch sprechen. Und mit „kein Wort“ meine ich auch genau das: Nicht ein einziges Fremdwort!

Mir wurde daher beigebracht, wie man einen Kaffee bestellt. Eins der wenigen Dinge, die ich in chinesischer Sprache hinbekomme (ein anderes ist, dem Taxifahrer meine Adresse hinzustammeln, damit er mich heim fahren kann).

Ich gehe also, morgens in die Kantine und sage etwa sowas wie „zwei Becher Kaffee“ (natürlich ohne Bitte. Das wurde mir nicht beigebracht. Ich setze daher dazu also mein charmantestes Lächeln auf. 😉 ) auf chinesisch. Irgendwie verstehen mich die Damen dort dann mehr oder weniger – jedenfalls bekomme ich meinen Kaffee.

Diesmal war ich auf dem Weg in die Kantine in Gedanken zu meiner aktuellen Aufgabe. Die sollte nämlich dringend erfolgreich umgesetzt werden. So nebenbei bestellte ich dann Kaffee – na so was! Da war der Kaffee doch überraschend billig?! Mir war dann auch relativ schnell klar wieso: Ich hatte schlicht die falschen Zahlen genannt. Und so statt 5 nur 3 Kaffee bestellt.

In Deutschland würde ich sagen „Oh, sorry, mir ist da gerade ein Fehler unterlaufen“ und einfach die fehlenden Kaffee nachkaufen. Wie mache ich aber Menschen die Situation begreiflich, wenn alles, was ich sagen kann: „xy Becher Kaffee“ und „Danke“ ist…? Keine Chance!

Erst mal lächeln und winken. (Oder so.)

Dann „kaputte Schallplatte“ spielen und immer wieder die richtige Bestellung nennen. Und hoffen und bangen, dass ich nicht auf einmal 8 Kaffee in der Hand habe.

Irgendwann wurde ich dann auch tatsächlich verstanden, oder sagen wir, mein konfuses Verhalten richtig gedeutet. Ich bekam also meine fehlenden Kaffee.

Neues Problem: Geld. Schliesslich hatte ich schon etwas bezahlt. Aber nicht alles, da waren die Damen der Kantine sich einig. Nur: Wie viel fehlte eigentlich? Eine hatte dann die Idee: Das kann man doch bestimmt ausrechnen! Ich war nicht in der Lage, ihrer Rechnung zu folgen.

Ein Kaffee kostet 8 (Schwarz), bzw. 12 (Cappuccino) Renmibi (RMB). Sie rechnete aber mit 16 und 18er Beträgen. Was sagen ging wieder nicht. Sprachbarriere.

Ich habe dann einfach beide Beträge im Smartphone als Notiz eingegeben und subtrahiert. Die Welt der Zahlen – die wiederum ist universell.

PS: So weit kommt man mit gutem Englisch in China dann eben auch nicht.

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9 Gedanken zu “Hindernisse sprachlicher Natur…

  1. Mir geht es gerade ähnlich in meiner englischsprachigen Vorlesung. Verstehen geht, wirklich gut ausdrücken aber nicht… Ich kann das Gefühl sehr gut nachvollziehen. Es liest sich lustig, ist es aber nicht 😉 Liebe Grüße von Summer

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    1. Es ist nicht so, dass ich verstehe, was die Damen sich (in chinesisch) sagen…
      heute bin ich dazu uebergegangen, ihnen einen „schoenen Tag“ zu wuenschen. Im Wortlaut, auf deutsch. Das es was nettes ist, verstehen sie ja ;P

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    2. Ok… Und ich mag, wenn du von da drüben etwas an uns heranträgst. Es ist spannend und um zu kommentieren, schmeiße ich extra meinen Laptop an, denn auf den Handy geht meistens nur ein „like“… bis bald 😉

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  2. Jetzt wollte ich nur mal kurz hier bei dir vorbeischaun, weil du einer derjenigen warst, die mich auf „Suits“ gebracht haben (letzte Blogparade), und ich dir dafür danken wollte (ich bin total süchtig nach den zwei Männern in Anzügen! 😀 ), und stelle fest, dass du grad in Shanghai bist. Sehr cool! Wie lange wirst du denn da noch weilen? (Steht bestimmt irgendwo, aber ich hab grad keine Zeit, mich durchzulesen… ;)) Ich wünsche dir noch tolle Erlebnisse!

    Ach ja, und danke für den „Suits“-Tipp! 😉

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    1. Oh ja, Suits! (bin da irgendwo in Staffel 4…)
      In Shanghai bin ich bis Ende Juli, dann muss ich wieder zurueck – Visa war nicht laenger zu bekommen. 😉
      Und: Gern geschehen 😛

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